Maximalkraftmessung Rumpf

“Uuuuund: Druck! Druck! Druck! Druck! Druck!,……….”

Auf zum nächsten Test. Seltsam, wann fangen wir endlich an zu trainieren? Ich habe bereits jetzt schon eindrucksvoll und mehrmals bewiesen bekommen, dass ich keine ausreichende Muskulatur habe. Die Nachricht, dass ich mich beim “einfach loslaufen” nur verletzt hätte, hallt in meinem Kopf immer noch nach. Ich meine, dass machen doch die Allermeisten. Jeden Morgen und Abend in der Heilbronner Innenstadt Beispielsweise. Überall motivierte Jogger am Neckar. Die wollen Sich doch nicht schaden. Aber hier liegt genau der Unterschied zu dem was ich erreichen will. Aus meiner Unwissenheit und naiven Erkenntnissen schlüssig zu folgern ist genau mein falscher Ansatz! Hier habe ich meine Trainerin, den Profi und alle Hilfsmittel. Sie hat nicht nur die Sachkenntnis, sondern auch die Erfahrung meinen Fitnesszustand zu beurteilen und zu verbessern.
So ging ich, ohne zu wissen was auf mich zukommt in den nächsten Raum.

“Marco, wir kommen hier zum FPZ Test. Du siehst hier vier Geräte, wie Du sie vielleicht aus einem Fitnessstudio kennst. Ich korrigiere. Bei Deinen Werten, hast Du Fitnessstudios weiträumig umgangen. Diese Geräte werden benutzt um nur einzelne Muskeln gezielt zu trainieren. Zum Beispiel ein Gerät, dass nur Deinen Rückenstrecker trainiert, oder dieses Gerät hier, dass Trainiert nur Deinen Bauchmuskel. Die Besonderheit dieser Geräte ist, sie sind an meinem Laptop angeschlossen. Wenn Du die Bewegung des Muskels ausführst, wirst Du feststellen, dass da eine Sperre ist. Bei dieser Sperre wirst Du so fest dagegen drücken, wie Du nur kannst. Ich Messe die Kraft die Du gegen den Widerstand wirkst. So lese ich aus, wie stark dieser jeweilige Muskel ist. Aufgrund dieser Daten kann ich sehen welche Muskelgruppen, wie stark ausgebildet sind. Darauf basierend kann ich Deinen Trainingsplan erstellen. Die Kondition aufzubauen um einen Marathon zu laufen, ist das Eine. Du musst aber Kraft und Stabilität haben um die Kondition aufzubauen. Vor allem musst Du das richtig und ohne Verletzung machen. Du wirst Deinem Körper viel abverlangen.”

“Fangen wir an. Als Erstes kommt der Rückenstrecker auch genannt M. erector spinae. Dieser stabilisiert die seitliche Lenden- und Brustwirbelsäule. Den benötigst Du zum Beispiel wenn Du einen runden Rücken machst und Dich wieder aufrichtest.
Du wirst in das Gerät so fixiert, dass Du nur diesen einen Muskel benutzen kannst. Du führst die Bewegung aus und wenn ich “Druck” Sage, drückst Du so fest Du nur irgend kannst!”
Ich lass mich in den Stuhl festschnallen, führe die Bewegung aus und dann ruft sie:
“Uuuuuuund: Druck! Druck! Druck! Druck! Druck!”
Nach drei Sekunden durfte ich aufhören und sah auf ihrem Laptop eine mir nichts sagenden Kurvenverlauf.
“Ich werde Dir nicht sagen, ob es gut oder schlecht ist, weil wir das dreimal machen werden um einen Mittelwert zu haben, der uns als Grundlage dient.”

“Als nächstes werden die geraden Bauchmuskeln getestet, Marko.”
Mein Stichwort! Egal wie schlecht die anderen Tests werden, diesen Test werde ich schaffen. Ich habe ja, trotz aller Test, noch sowas wie einen Funken Selbstvertrauen. Die Bauchmuskeln sind sogar leicht sichtbar. Also werde ich meine Trainerin mal ins Staunen versetzen.
Jetzt fragt Ihr Euch natürlich völlig zu Recht: Wie wird die Bewegung des Rumpfes nach vorne nur ausgeführt? Euch liegt es auf der Zunge, der lateinische Name.
Ich helfe Euch: Die Beugung des Rumpfes wird durch die beidseitige Kontraktion der geraden Bauchmuskeln bewirkt, auch genannt: M. rectus abdominis. Das schafft der aber nicht alleine und wird durch die seitliche und schräge Bauchmuskulatur unterstützt.
“Uuuuuuund: Druck! Druck! Druck! Druck! Druck!”

“Marko, das dritte Gerät testet Deine Neigung des Oberkörpers zur rechten und linken Seite. Da sind recht viele Muskeln beteiligt. Das ist M. erector spinae (seitlichen Muskelstrang), Mm. obliqui abdominis (schrägen Bauchmuskeln), M. quadratus lumborum (quadratischen Lendenmuskels) und M. psoas major (großen Lendenmuskel).”
Ich konnte nur mit offenem Mund dastehen und mit leeren Augen Sie anstarren. Wie ein Reh, dass man Nachts mit Abblendlicht in einem Waldgebiet sieht.
“Wie ich sehe, können wir loslegen!
Uuuuuuund: Druck! Druck! Druck! Druck! Druck!”
Ich habe noch nie, in meinem gesamten Leben, und mit so einer hohen Motivation die Muskeln gebraucht wie in diesen drei Versuchen. Das könnt Ihr mir glauben. Alles was ich erntete, ist diese hochgezogene Augenbraue der Marke: Ist das Dein Ernst?
Völlig Unbeeindruckt werde ich losgemacht und ins nächste und letzte Gerät gespannt.
Mit Abstand das seltsam Aussehenste.

“Das letzte Gerät testet Deine rechte und linken Rotationsmuskulatur, also die Drehung des Oberkörpers. Diese Bewegung wird durch Deine seitlichen Bauchmuskeln, auch genannt M. erector spinae und Mm. multifidi, zusammen mit Deiner schrägen Bauchmuskulatur, genannt Mm. obliqui abdominis, erreicht.”
Ich antwortete: “Privat nenne ich die nur bei Ihrem latainischen Namen.”
Ich werde also in das nächste Gerät geschnallt, dass nur erlaubt meinen Oberkörper zu einer Seite zu drehen. Also von der Mitte nach rechts. Und wieder ruft Sibylle:
“Uuuuuuund: Druck! Druck! Druck! Druck! Druck!”
Dasselbe natürlich mit der Drehung nach links.

Danach waren wir fertig. Der FPZ war geschafft. Der Drucker druckt und meine Trainerin setzt eine Ernste Miene auf. “Marko, dieser Test wertet Deine Ergebnisse in vier Kategorien. Diese geht von “überdurchschnittlich”, das ist die Bestmögliche Bewertung zu “oberer Referenzbereich”, “mittlerer Referenzbereich”, “unterer Referenzbereich” bis hin zu “erheblich defizitär”. Es wird auch Dein Gewicht, Alter und Körpergröße mit eingebunden. Wir unterscheiden jede der einzelnen Muskelgruppen und können Deine Rumpfkraft und Rumpfstabilität dann äußerst Präzise definieren.”
“Fangen wir an: Dein Rückenstrecker, also die sogn. Extensoren, liegen sage und schreibe 40% unter dem Durchschnitt, damit erheblich defizitär.
Deine Rotation nach rechts ist bei -32% und links bei -27%, damit ebenfalls defizitär.
Deine Muskulatur zur Neigung nach rechts liegt bei -11% und nach links bei -19%. Da hast Du gerade so den “unteren Referenzbereich” geschafft. Jetzt kommt der Knaller. Dein Bauchmuskeln nach vorne sind nur bei bei -1% und damit im mittleren Referenzbereich.”
Bei den Bauchmuskeln habe ich dennoch kurz gejubelt: “Juhu, mittlerer Referenzbereich!”

“Kommen wir zu der Schlussfolgerung dieser furchtbaren Daten. In der Gesamtbeurteilung gibt es 5 Stadien, von 0 (= keine Dekonditionierung) bis 4 (= erhebliche Dekonditionierung). Du bist bei vier! Marko, Dein Kraftverhältnis der seitlichen Bauchmuskulatur und der Rotationsmuskulatur sind gleichmäßig schlecht. Das werden wir gleichmäßig aufbauen. Aber Dein Kraftverhältnis von Rückenmuskulatur zu Bauchmuskulatur ist so negativ, da haben wir keine Skala dafür. Deine Rückenmuskulatur ist bei -40% und Deine Bauchmuskulatur bei -1%. Das heißt Deine Bauchmuskeln ziehen Deinen Oberkörper nach vorne und Du wirst krum, bekommst regelrecht einen Buckel. Du musst Dir Deinen Körper wie einen Segelmast vorstellen. Die Muskeln sind die Segel, die den Mast stabilisieren. Es zieht eine große Kraft regelrecht Deine Wirbelsäule nach vorne. Nicht weil sie besonders stark ist, sondern weil kein Gegengewicht vorhanden ist.”

Wir hatten im FMS Test schon festgestellt dass Deine Beweglichkeit schlecht ist, jetzt wissen wir warum. Du kannst gewisse Muskeln gar nicht ansprechen, weil Du Sie seit langer Zeit gar nicht mehr benutzt. Die müssen wir wieder aktivieren und gezielt trainieren. Nur durch eine gleichmäßige Muskelverteilung, erlangst Du eine Stabilität, die es möglich macht ökonomisch zu laufen. Aber daran ist erst einmal gar nicht zu denken. Wir haben Einen weiten weg vor uns und er wird schwieriger als ich dachte.”

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